Früher Plage, heute bedrohte Art

Teil 2: Die Feinde des Feldhamsters

Wie und wo der Feldhamster idealerweise leben würde, geht aus dem 1. Teil unseres Beitrages hervor. (Alle Infos hier.) Ideale Bedingungen hatten zur Folge, dass die Feldhamsterpopulation überhand nahm und die Tiere wegen der Ernteverluste zum ‚Massenschädling‘ erklärt und verfolgt wurden. Das haben Friederike Stern und Lena Reißer für ihre Seminararbeit recherchiert, auf die wir uns hier u.a. beziehen.

Mit Jagdhunden wurden die Hamster verfolgt, Giftköder wurden ausgelegt und das Austränken durch Wasser praktiziert, auch wurden die Hamsterbaue ausgegraben, Fallen gestellt. Nicht nur um Ernteverluste zu minimieren wurden die Tiere getötet, sondern auch um die Felle zu gewinnen, aus denen hauptsächlich wärmende Innenfutter für Mäntel und Westen hergestellt wurden. Auch als Futter für die Geflügel- und Schweinemast mussten die Hamster herhalten.

Vor Jahrhunderten aber war es die Landwirtschaft, die u.a. mit ihrer Dreifelder-Strategie dem Hamster idealen Lebensraum bot. Bei der Dreifelderwirtschaft wird das Ackerland eines Dorfs dreigeteilt. Auf einem Feld wird Wintergetreide, auf einem anderen Sommergetreide angebaut, das dritte bleibt ungenutzt (Brache). Dabei wechselten die Anbauformen jährlich, das Feld konnte sich also in jedem dritten Jahr erholen.*

Mit der Technisierung, dem Einsatz synthetischer Dünger und entsprechend den modernen Anforderungen gezüchteter Feldfrüchte haben sich die Prozesse in der Landwirtschaft grundhaft verändert. So wird z.B. nicht mehr erst im Herbst geerntet, sondern bereits ab Juli. Der sofortige Umbruch des Bodens lässt dem Hamster nicht genügend Zeit, Vorräte anzulegen und seine Jungen zuvor großzuziehen. Waren früher drei Würfe im Jahr möglich, sind es aus diesem Grund heute nur noch zwei. Der häufig nach dem Abernten des Getreides angebaute Ackersenf ist nicht lagerfähig ist im Hamsterbau und scheidet deshalb für die Vorratshaltung aus.

Der Einsatz großer Landmaschinen führt zudem zur Verdichtung des Bodens, was das Anlegen der Hamsterbaue erschwert. Die Halme werden mit modernen Maschinen oft tief bis zur Bodenkrume abgeschnitten, so finden die Hamster weder Nahrung noch Schutz vor ihren natürlichen Feinden wie z.B. Mardern und Greifvögeln.

Feldraine oder andere ungenutzte Bereiche sind zu wenig vorhanden, so dass die Tiere nicht ausweichen können. Somit entzieht oft die intensivierte, moderne Landwirtschaft dem Feldhamster die Lebensgrundlage. Dass großflächige, hochtechnisierte, moderne Landwirtschaft auch ökologisch verträglich praktiziert wird, zeigen wir in Teil 4 unserer Serie an einem Beispiel aus unserer Umgebung.

Aber nicht nur die Landwirtschaft, auch die Zersiedelung und Zerschneidung der Landschaft durch neue Wohngebiete bzw. Straßen behindern den Feldhamster.

Bleibt zu konstatieren, dass Hamster zwar viele natürliche Fressfeinde haben, aber letztlich der Mensch mit seinen Eingriffen in die Natur den Hamster am stärksten bedrängt. Wie jetzt aber der Hamster gerettet werden und damit ein Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt geleistet werden kann, erläutern wir im dritten und vierten Teil unserer Berichtsserie.

Quellen: Seminarfacharbeit am Pierre-de-Coubertin-Gymnasium Erfurt zu Thema: Cricetus Cricetus – vom Agrarschädling auf die Rote Liste?! Untersuchungen zum Feldhamster im Thüringer Becken, Verfasser Friederike Stern, Lena Reißer

*learnattack.de

Autor: B. Köhler Foto: Adobe